Mi

22

Sep

2010

Schluss mit der Selbstverurteilung!

Die meisten Menschen haben eine sehr ähnliche Sprache, wenn sie sogenannte Fehler oder Probleme bei sich beschreiben. Sie reden von "Ich":

 

"Ich habe mich wieder mal gedrückt."

"Ich hatte nicht den Mut."

"Ich bin zu feige zum..."

 

Kennen Sie das? So eine komplette Selbstverurteilung ist weder nützlich, noch wahr. Hilfreicher wäre es zu sagen:

 

"Eine Seite von mir hat sich gedrückt..."

 

Tatsächlich entsteht die Selbstverurteilung und der innere Konflikt ja nur dadurch, dass die verschiedenen Seiten in Ihnen die Situation unterschiedlich beurteilen.

 

Kompliziert? Dann erkläre ich es an einem Beispiel:

 

Paula hat sich fest vorgenommen eine Kollegin anzusprechen, über die sie sich ärgert. Die Kollegin, Lisa, delegiert immer wieder Arbeit an Paula, weil sie selbst angeblich wichtigere Aufgaben hat. Paula ängert sich jedesmal, hat aber noch nie etwas gesagt.

 

Doch obwohl sie sich schon mehrmals fest vorgenommen hat Lisa anzusprechen, hat sie sich im Endeffekt immer wieder gedrückt. Das Problem entsteht nun, weil Sie mit ihrer Angst nicht einverstanden ist: "Ich müsste das Gespräch suchen, aber dann habe ich immer wieder Angst davor. Ich bin ein Schisser!"

 

Wesentlich hilfreicher ist es, wenn Paula sagt: "Eine Seite von mir ist ängstlich und die andere will das Thema klären." Mit dieser Beschreibung kann Sie das Thema zum systematischer angehen. Sie kann sich zum Beispiel aufschreiben, welche Bedürfnisse beide Seite haben: Die eine Seite, will nicht mehr so viel zusätzliche Arbeit auf dem Tisch haben, die andere Seite möchte nicht den Frieden stören und damit riskieren, dass Lisa nicht mehr nett zu Paula ist. Ihre ängstliche Seite bewahrt sie also vor einer Situation, in der Paula sich nicht wohlfühlen würde. Sie hat sie bisher davor bewahrt, übereilt und unüberlegt zu handeln.

 

Paula kann nun über eine Lösung nachdenken, die beiden Seiten gerecht wird. Wenn ihr alleine nichts einfällt, kann sie auch jemandem  von ihrer Zwickmühle erzählen und um Rat bitten.

 

Vielleicht kommt sie dann zu einer Lösung, in der sie die Kollegin zwar anspricht, aber ganz bewusst auf Beschuldigungen, Interpretationen und ähnliches verzichtet. Statt zu sagen: "Du lädst mir immer soviel Arbeit auf, du fühlst dich wohl als etwas Besseres." kann Sie besser formulieren:

 

"Ich bin nicht glücklich damit, dass ich von dir oft sehr viel Arbeit bekomme. Ich habe dann die Befürchtung, dass ich miene Hauptaufgaben nicht mehr schaffe und von meinem Chef Ärger bekomme. Kannst du dir vorstellen, dass wir da gemeinsam eine Lösung finden können, die für uns beide stimmt?"

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