Fr
06
Aug
2010
Mut: Gar nicht so einfach!
Manchmal nehme ich mir vor etwas Mutiges zu tun und mache es dann doch nicht. Wenn Sie ehrlich sind, kennen Sie das auch, oder?
Als Coach bin ich bisher immer verzweifelt, wenn ich Teilnehmer hatte, die im Coaching tolle Vorsätze gefasst und sie dann doch nicht umgesetzt haben. Seit ich einen Vortrag des Neurobiologen Gerald Hüther zum Thema Gehirn und Körper gehört habe, verstehe ich viel besser, was der Grund dafür ist (s. CD-Tipp am Ende dieses Beitrags).
Auslöser dafür, dass man eine lange verankerte Angst oder Hemmung nicht einfach durch einen guten Vorsatz umgehen kann ist die "Hebbsche Regel". Die besagt nämlich, dass eine neuronale Verbindung entsteht, wenn zwei Nervenzellen regelmäßig gleichzeitig feuern.
Also mal ganz stark vereinfacht: wenn Paul immer einen auf den Deckel bekommt wenn er ein Gedicht aufsagt, dann festigt sich vielleicht eine neuronale Verbindung zwischen "Auftreten vor andern" und "Angst vor Demütigung". Weil Paul dadurch sehr gehemmt ist, wirkt er bei öffentlichen Auftritten (z.B. in der Schule, später im Beruf) nicht gut. Er wird daraufhin nicht gelobt oder bekommt sogar schlechtes Feedback und so festigt sich seine Überzeugung: Ich kann das nicht.
Nun entsteht sogar ein negativer Regelkreis: Paul versucht seine Überzeugung zu bestätigen weil jedes Mal, wenn er wieder bewiesen hat, dass er nicht gut vor Leuten sprechen kann, sein Belohnungszentrum Glückshormone ausschüttet, die sagen: "Hurra Paul, du hast wieder Recht gehabt. Du kannst es nicht."
Da muss ich mich als Coach nicht wundern! Die einzige Chance besteht nun darin, dass Paul zunächst mal sein Großhirn nutzt, um zu verstehen, was die Ursache für diese festsitzende Angst ist. Dann kann ich ihn als Coach einladen neue positive Erfahrungen zu erleben. Logischerweise reicht da nicht eine gute Erfahrung. Paul muss richtiggehend üben. dass er sich vor anderen doch wohl fühlen kann. Je öfter jetzt im Gehirn die zwei neuen Bereiche gleichzeitig feuern: "Ich spreche vor anderen" UND "ich fühle mich gut!" desto stabiler wir eine neue neuronale Bahn.
Diese und viele andere spannende Infos habe ich auf der Vortragssammlung "Gehirn und Körper" gefunden. Besonders spannend sin die Vorträge von Gerald Hüther (Neurobiologe an der Uni Göttingen) und Gunther Schmidt (Psychotherapeut und Facharzt für Psychosomatik).

