Di

27

Jul

2010

Sterben und Tod? Das Thema braucht Mut!

Ich habe mir jetzt einige Tage lang Gedanken gemacht, ob ich über dieses Thema überhaupt schreiben soll. Ich habe mich dann doch dafür entschieden, weil es ein echtes Mut-Thema für mich ist:

 

Eine Freundin von mir, die schon lange Krebs hat stirbt nun. Freunde berichteten mir vor einigen Wochen, dass es ihr gesundheitlich schlechter geht. Ein Schock, denn im März sah es noch ganz gut aus.

 

Schon in der Phase, in der sich ihr Zustand verschlechterte, fehlte mir zunächst der Mut anzurufen. Ich schob das Telefonat einige Zeit vor mir her. Ich glaube, ich hätte mich noch länger gedrückt, wenn ich mich nicht gerade mit dem Thema Mut beschäftigen würde. Aber so führte ich ein nützliches Selbstgespräch und sagte mir: "Das kann ich echt nicht bringen - über Mut schreiben aber mich vor dem Anruf drücken." Also gab ich mir buchstäblich einen Ruck und rief an. Ich bat um einen Rückruf, wenn wir sie mal besuchen könnten. Der kam aber zunächst nicht.

 

Statt dessen erreichte uns vor einer Woche eine sms von ihrem Mann: Sie ist im Spital und es geht nicht mehr lange. 

 

Wieder wollte ich mich drücken. Diesmal kam der wertvolle Ruck von meinem Mann, der sagte: "Wann gehen wir denn hin?" Zuerst war ich regelrecht geschockt und versuchte Ausreden zu finden, doch dann wurde mir klar: Es ist einfach richtig und wichtig hinzugehen und Abschied zu nehmen.

 

Doch ich glaube, ohne meinen Mann hätte ich ich nicht getraut. Noch vor dem Krankenhaus war ich unendlich nervös. Doch mein Gefühl hielt mich bei der Stange, das mir sagte: das ist richtig so.

 

Nach einem anfänglichen Schrecken und Unsicherheit mit der Situation umzugehen (sie sieht sehr verändert aus und kann unter Morphium kaum noch reagieren), war der Besuch aber ein sehr positives Erlebnis. Unsere Freundin freute sich und lachte, als sie mich sah. Sie bekam nicht alles, aber doch noch Einiges von dem mit, was ich ihr sagte, auch wenn sie nicht mehr sprechen und antworten kann. Und auch zu erleben, wie ihre Familie mit ihr umgeht war wunderschön und beeindruckend.

 

Und sie zu sehen und mir klar zu machen, wieviel Mut sie in all den Jahren brauchte, um mit der schweren Krankheit umzugehen, relativierte auch viel von meinen Ängsten. Ich bin froh, dass ich noch einmal bei ihr war und wünsche ihr, dass sie ohne Angst und mit möglichst wenig Schmerzen gehen kann und dass sie spürt, dass ihre Familie und ihre Freunde bei ihr sind und an sie denken.

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